Freispiel-Impulse Malen und Gestalten

Kreativität ausleben!

In diesem Buch finden sich jede Menge Anregungen, die die Kreativität der Kinder beflügeln. Bei den 26 Freispiel-Impulsen geht es darum, ein Materialangebot bereit zu stellen, das die Kinder selbstständig nutzen können. Ob mit Farbe, Papier oder Sand, Pinsel oder Feder- die außergewöhnlichen Ideen wecken den Forschergeist und ermöglichen den Kindern alleine oder im Team Kreativität auszuprobieren und sinnlich zu erleben.

Mit zahlreichen Bildern und einfachen Anleitungen – diese kreativen Impulse verstehen die Kinder auch selbst!

Freispiel-Impulse Malen und Gestalten

von Michael Fink
Verlag Herder
1. Auflage 2021
Geheftet
64 Seiten
ISBN: 978-3-451-38770-8
EUR 12,00 €

Freispiel-Set: Bemalbarer Spiegel für Selbstportraits

Leseprobe:

Freispiel wird Kunst  

Dieses Buch stellt 26 Ideen für Kreativangebote im Kindergarten vor. Getreu dem Titel „Freispiel-Impulse“ sind es keine Ideen für Angebote, die pädagogisch geleitet werden müssen, sondern offene Impulse für die Kinder. Immer geht es darum, ein Materialangebot bereitzustellen, das die Kinder selbstständig nutzen können. Eine Auswahl der hier vorgestellten Material-Sets kann in Kisten aufbewahrt im Raum verbleiben, auf dass sich die Kinder nach Belieben damit beschäftigen können.


Einige der hier vorgestellten Material-Sets sind so konzipiert, dass beim Spiel wenig Schmutz und Schmiererei entsteht. Ganz ausschließen lässt sich der nervige Nebeneffekt von Kreativangeboten nicht. Aber zum sinnlichen Erleben sind die Hände wichtig, und das Verschütten von Farbe erzählt viel über Fließeigenschaften … Das spricht nicht gegen eine selbstständige Nutzung durch die Kinder, sondern für das Vermitteln eines guten Umgangs mit dem jeweiligen Material: „Ihr wisst, welche Regeln wir für das Arbeiten mit flüssiger Farbe haben?“

Bei den Kreativangeboten in diesem Buch steht zuallererst das sinnliche Erleben des Materials im Vordergrund: Es ist interessant und erholsam, die Finger in kratzig-klebrige Sandfarbe zu versenken oder ganz sensibel Tupfer mit merkwürdigen Malgeräten zu hinterlassen. Ist das aber überhaupt Spiel, wenn dann Bilder gemalt und Figuren geknetet werden? Klare Antwort: Spiel ist alles, was die Kinder in eigener Regie tun. Das Besondere beim Mal-Spiel, um das es hier geht, liegt in den Eigenschaften der Spielmaterialien, die mal glibberig und klebrig, oft feucht, meist knallbunt sind und hochinteressante Spuren hinterlassen. Darf man damit frei hantieren, hinterlässt auch das Spuren: Nervige an den Wänden, aber unglaublich wertvolle Spuren im Erfahrungsschatz der Kinder.

Denn beim kreativen Spielen geht es auch um knallhartes Lernen: Die Kinder entwickeln nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, sondern sie gewinnen viele kognitive Einsichten. In Bildung steckt nicht umsonst das Wort Bild drin. Kinder müssen sich „ein Bild machen“, um abstrakte Dinge zu verstehen oder Eindrücke zu ordnen. Ein Rätsel, das man erst mal knacken muss, sind viele künstlerische Techniken – etwa wenn sich beim Drucken oder der Frottage ein Bild vervielfacht, wenn sich beim Malen einzelne Farben zu einer neuen mischen, wenn bestimmte Dinge ganz charakteristische Spuren hinterlassen. Kunst machen ist kreativ – und bietet zudem unzählige Aha-Effekte.

Vier kurze Regeln für das Arbeiten mit Material-Sets

Eine erklärende Ordnung herstellen

„Ah, ich weiß schon, was man hier machen kann!“ Bieten Sie die Materialien bei jedem der in diesem Buch vorgestellten Sets auf dem Arbeitstisch oder einem Tablett so geordnet an, dass man sofort erkennt: Aha, dieses Material wird wohl mit diesem Werkzeug bearbeitet und dann auf diesem Untergrund aufgeklebt? Beim Auslegen können Sie sich gedanklich an Montessori-Tabletts orientieren, bei denen man genau erkennt, welche Handlungen mit dem Material möglich sind.
Stellen Sie Arbeitsergebnisse oder Fotos vom Arbeitsprozess auf, um den Kindern zu zeigen, was man hier tun könnte.

Am Anfang begleiten

Obwohl die Material-Sets selbsterklärend sein sollten: Hinstellen und die Kinder machen lassen funktioniert oft nicht. Führen Sie ein neues Materialangebot daher einmal kurz ein: Zeigen Sie, wie man die Dinge benutzt und was man damit machen könnte. Bei den ersten eigenen freien Experimenten mit den Materialien tut es den Kindern gut, wenn Sie durch Lob und Interesse zeigen, dass ihr Tun in die richtige Richtung geht: „Oh, das sieht schön aus!“

Wenig Gemecker bei Geklecker

Kreativität lebt davon, dass man sich ins Tun versenken kann. Ermahnungen und Ordnungsrufe stehen dem entgegen, und Kinder verlieren schnell die Lust. Versuchen Sie, nötige Eingriffe auf ein Mindestmaß zu beschränken, indem Sie vorab klare und beherrschbare Regeln für das Nutzen der Material-Sets festlegen: Hier braucht man eine Schürze, fertige Kunstwerke kommen hierhin, nach Benutzung räumen wir diese Dinge dorthin zurück.

Öfter mal was Neues

Man merkt schnell, wenn ein Materialangebot langweilig wird – weil die Kinder es links liegen lassen oder damit Blödsinn machen. Beobachten Sie so etwas, ist es Zeit, das Angebot durch ein anderes zu ersetzen – oder es zu verändern: Oft hilft es, Materialien eines Sets durch Dinge mit ähnlichen, aber unterschiedlichen Eigenschaften auszutauschen. So können die Kinder probieren, die gelernte Technik auf das veränderte Material zu übertragen: Ob man in der Kreppmalschleuder wohl auch Schwammstücke oder Murmeln zum Bildermalen verwenden kann?


Fühl-Farben

Wie sich das anfühlt! Bei den folgenden Mal-Sets kommen die Sinne zum Zuge – vor allem der Tastsinn. Die Kinder begegnen gepanschten, mit anderen Materialien vermengten Farben, die sich mal warm und pastös, mal cremig, mal dünnflüssig anfühlen. Diese Farben sind in erster Linie ein Angebot für die Finger, die Hände, zu denen sie zu sagen scheinen: Mach was mit mir! Finde raus, wie du mich am besten schmieren, tropfen, spachteln kannst!

Oft ist es ziemlich nebensächlich, welchen Farbton die Massen haben, mit denen die Kinder schmieren, agieren, verzieren. Und doch entstehen nebenher manchmal Bilder von unerwarteter Schönheit.

Krepppapierschleuder

Material: Festes Zeichenpapier, rund oder länglich zurechtgeschnitten; Krepppapier in mehreren Farben; Wasser; kleines Schüttgefäß; eventuell Tapetenkleister, sehr dünn angerührt

Die Idee

Hervorragend lässt sich eine Salatschleuder als Farbschleuder umnutzen. Hinreißende Bilder bei vergleichsweise wenig Kleckerei entstehen, wenn man die Schleuder mit Krepppapier und Wasser betreibt.

Vorher …

… zupfen Sie – gerne mit den Kindern – Krepppapier in etwa kinderhand-große Fetzen, die teilweise geknüllt oder zu Streifen zerrissen werden. Je unterschiedlicher die Krepp-Fetzen sind, desto interessanter werden die Bilder. Legen Sie die Fetzen nach Farbe sortiert bereit, dazu einen Becher mit Wasser. Schneiden Sie die Zeichenpapiere passend zur Schleuder zu – entweder schmal für den Rand oder rund für die Mitte.

So geht’s

Die Kinder drehen die Schleuder, nachdem sie Papier eingelegt, einen großen Spritzer Wasser und viele Krepppapierfetzen hineingegeben haben. Statt die nun auf dem Papier klebenden Krepp-Fetzen abzuziehen, könnten Sie diese auch dauerhaft dort kleben lassen, indem Sie statt Wasser dünnflüssig angerührten Kleister verwenden. Währenddessen kippen Sie das bunte Wasser weg, weil sonst die Bilder immer weniger farbenfroh werden. Die nassen Krepp-Fetzen könnten als Bild-Knet-Material weiterverwendet werden.

Spachtelbare Sandmatschfarben

Material: Tablett A3, Pappkarton-Abschnitte, Fingerfarben, Sand, Tapetenkleister, Wasser, Becher, Spachtel, Eiskratzer, Plastik- oder Holzgabel, Farbwalze, diverse Naturmaterialien etc. , Schere oder Cutter (VB)

Die Idee

Rotbraun, grünbraun, blaubraun – und herrlich pampig sind diese Selfmade-Farben. Ideal zum Schmieren, Spachteln, Kratzen auf rauen Oberflächen!

Vorher …

… stellen Sie Matschfarben in drei Tönen her. Dazu kochen Sie Puddingfarbe auf (Kurzrezept siehe S. xy), verteilen die Masse auf drei Gefäße und geben so viel Sand und Wasser hinzu, bis ein träger Brei entsteht. Jeweils einen großen Spritzer Fingerfarbe zugeben. Fertig ist das spachtelfähige Material. Als Malgrund schneiden Sie Pappen etwa 30 x 30 cm zu, legen Löffel und verschiedene Spachtel und Eiskratzer bereit, zusätzlich noch Naturmaterialien.

So geht’s

Die Matschfarbe lässt sich auf den pappigen Malgrund löffeln, mit Spachteln verschmieren und mit dem Eiskratzer in Streifen ziehen. Oder mit der Walze überrollen … Schön sieht es aus, wenn sich zwei Schichten Eiskratzer-Streifen in verschiedenen Farbschichten kreuzen. Gute Mal-Themen: Höhlenmalerei, Straßenbau etc. Die Bilder trocknen eine Weile, werden dann fast fest wie Beton und fühlen sich mit ihren Strukturen gut an.


Rote-Bete-Druck & Kohlmalerei

Material: Rote Bete; Rotkohl; Zitronen; Kaisernatron; Wasser; Schälchen; Schmirgelpapier oder Reibe; festes weißes Zeichenpapier; Löffelchen oder Pipette; Messer (VB); Brettchen (VB)

Die Idee

Ohne zusätzliche Farbe lassen sich Bete auf das Blatt drücken oder stempeln, und aus einem etwas aufgerauten Rotkohl tritt knallig roter Saft aus. Faszinierend, dass sich beide Farben durch Zitrone oder Natron erheblich verändern lassen!

Vorher….

… die äußeren Rotkohlblätter ablösen, bis nur noch eine kleine Kugel vor Ihnen liegt, die Sie halbieren. Die Zitrone halbieren oder in dicke Scheiben schneiden. Einen Teelöffel Kaisernatron in einem flachen Becher in Wasser auflösen und Löffel oder Pipette dazulegen. Die Roten Bete ebenfalls halbieren und an der Schnittfläche in interessante Formen schneiden.

So geht’s

Ein saftiges Rot zeigt sich auf dem Papier, wenn man die Rote Bete aufstempelt. Weniger deutlich ist der Abdruck des Rotkohls. Mit Schmirgelpapier oder Reibe etwas aufgeraut und mit Zitrone betupft, tritt der rote Saft aus. Der lässt sich mit dem Finger verschmieren. Beim Malen stellen die Kinder fest, dass die Bilder verblauen. Stempelt man mit der Zitrone darauf, entsteht von dieser ein Abbild in knallroter Farbe. Lässt man Kaisernatron auf die Gemüsesaft-Spuren tropfen, verwandelt sich die Farbe in ein kräftiges Türkis.